Studium der Philosophie und Germanistik
seit 1965 in der URANIA.
Aufgabenbereiche:
Das aufklärerische Gewissen der URANIA
Geboren am 19.3.1931 in Königsdorf in Burgenland, 4 Volksschuljahre in Zahling, seit 1941 in Fürstenfeld mit einer Klasse Volksschule und acht Klassen Realgymnasium, Matura 1950. Wird 1945 beim Einmarsch der russischen Truppen verwundet. Entgegen den Wünschen seiner Familie, dass er Lehrer wird, inskribiert er in Graz als Werkstudent das Lehramtsstudium in Philosophie, Germanistik und Anglistik, gibt aber bald das Lehramtsstudium zugunsten der "reinen Philosophie" auf und verschreibt sich der Logik und Erkenntnistheorie und vor allem Wittgenstein. Geht nach Wien zu Leo Gabriel, dessen „integrale Logik“ ihn anzieht und schließlich wieder abstößt und studiert bei Arthur Pap, einem amerikanischen Gastprofessor, der die Philosophie der logischen Positivisten fortsetzt. (Ein starker Eindruck geht dabei von Paul Feyerabend aus, der ebenfalls Teilnehmer der Seminare ist.)
Nach dem Absolutorium an der Wiener philosophischen Fakultät versucht er an deutschen Universitäten Fuß zu fassen (München, Frankfurt und Bonn). Er kann aber nirgends einen Lehrer finden, der ihn von den radikalen Konsequenzen Wittgensteinscher Philosophie befreien könnte. In den 50er Jahren kommt er in engeren Kontakt mit der Grazer Urania und hält dort einige Kurse über Logik, Theater und Philosophie. 10 Jahre lang lebt er ohne feste Beschäftigung in der BRD und Österreich. Er wird Gründungsmitglied des Forums Stadtpark (Mitgliedsnummer 11), ohne sich aber künstlerisch zu äußern. Alfred Kolleritsch, der ihm in seinem Roman „Der Pfirsichtöter“ in dem Kapitel „Von der Erhebung auf einer Stirn“ als Zählingsar ein Denkmal setzt, schreibt von ihm: „... gab er seinen Vorsatz zu schreiben auf. Es genügte ihm, dass sich andere für ihn äußerten. Er meinte später, dass sich nur wenige in seinem Sinn geäußert hätten.“
Kennzeichen seines Lebens jener Zeit wird eine Art Verweigerung. Die Weigerung, so leben zu sollen, wie es die Gesellschaft, die Karriere, die Lebensphilosophie verlangt. Der Enttäuschung von der Philosophie folgt eine konsequente Kritik an der Philosophie und an jeder Einvernahme und Identifikation, überhaupt der Diktatur des IST GLEICH-Zeichens, wie er es immer noch nennt, wenn logisch gleichgesetzt wird. Er versucht sich an einer „Logik der Philosophie“, die die impliziten Regeln logischer Systeme explizit macht und somit in Tautologien überführt.
1965 folgt er der Einladung von Prof. Wolfgang Schaukal, bei der Grazer Urania die durch den Weggang von Georg Janoschka freigewordene Stelle zu übernehmen. Seit nunmehr 40 Jahren versucht er anderen das zu erleichtern, was er an sich selbst immer erprobte: eine Bereicherung und Vertiefung des Daseins durch den Umgang mit künstlerischen und denkerischen Zeugnissen aus Gegenwart und Vergangenheit und eine ehrliche Trennung von Wahrheit und Schein! In dieser Hinsicht trägt das Uraniaprogramm anfangs im Kurswesen und danach auch bei den Vorträgen Züge seiner Handschrift. 1992 heiratet er seine langjährige Lebensgefährtin Gertrud Kowatschitsch. Im selben Jahr wird der Sohn Matthias Georg geboren.
Im Juni 1995 wurde Wilhelm Walter Ernst für seine besonderen Verdienste um die Bildungsarbeit in der Steiermark das "Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark" verliehen.
Mit Ablauf desselben Jahres trat er auch seinen wohlverdienten Ruhestand an. Doch er wäre nicht der, der er ist, hätte er sich damit aus dem Kultur- und Bildungsleben zurückgezogen. Seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft, die er seit 1989 ausübte, übte er bis Ende 1999 weiter aus und leistete damit einen wesentlichen Beitrag in einem höchst sensiblen Bereich der Interkulturalität. Daneben hatte er endlich auch wieder Zeit, eigene Bildungsprogramme (Vorträge, Seminare, Bildungsreisen) durchzuführen.
Für die große Abrechnung mit dem 20. Jahrhundert griff die URANIA erneut auf die intellektuellen Ressourcen von Wilhelm Walter Ernst zurück. Die von ihm konzipierte, organisierte und begleitete Vortragsreihe "Das große Finale" brachte Geistesgrößen aus Europa und den USA nach Graz, rief einen Besucheransturm und ein riesiges Medienecho hervor und wurde in der Rezension der Kleinen Zeitung als "volksbildnerisches Lehrstück" bezeichnet.