Der Erste Weltkrieg hatte die Österreicher nicht nur körperlich sondern auch geistig ausgeblutet, sodass sich nach seinem Ende ein wahrer Bildungshunger ausbreitete. Dieser bildete den Nährboden für die Gründung der Grazer Urania.
Unter der Patronanz des steirischen Landeshauptmannes Anton Rintelen und des Grazer Bürgermeisters Vinzenz Muchitsch, die später Ehrenpräsidenten der Urania wurden, sowie auf Betreiben des Champagnerfabrikanten Emil Kieslinger, des Mathematikers und Landesschulinspektors Karl Rosenberg, des Germanistiklehrers Karl Heinz Dworczak sowie des Grazer Stadtrats Anton Afritsch fand am 14. Februar 1919 die konstituierende Sitzung des Vereins „Grazer Urania“ statt. Die Gründung wurde mit dem Nichtuntersagungsbescheid vom 3. Mai desselben Jahres rechtskräftig und mit einem Festakt im Stephaniensaal am 15. Mai würdevoll gefeiert.
Im § 1 der Gründungsstatuten sind die Aufgaben der neuen Bildungseinrichtung folgendermaßen festgehalten:
„Die Grazer Urania bezweckt die Verbreitung naturwissenschaftlicher und technischer Kenntnisse, sowie die Verbreitung allgemeiner Bildung.“
Dieser Ansatz prägt die Bildungsarbeit der Urania bis heute, denn in den derzeit gültigen Statuten der „Österreichischen Urania für Steiermark“, wird der Vereinszweck in § 2 folgendermaßen definiert:
„Der Verein bezweckt die Pflege und Verbreitung der Volksbildung in wissenschaftlicher, künstlerischer und ethischer Beziehung mit dem Ziel, die menschliche Persönlichkeit in ihrer Gesamtheit und Einheit zu gestalten, ......“
Das Urania-Präsidium bestand damals (wie heute) aus Universitätsprofessoren, Künstlern, Geschäftsleuten und Direktoren kooperierender Einrichtungen, wie Museen, Theatern, Schulen und Bibliotheken. Zum ersten Präsidenten wurde Emil Kieslinger gewählt und zum ersten Geschäftsführer Karl Heinz Dworczak bestellt, der ab 1920 den Titel „Direktor“ führte.
Im Juni 1919 veranstaltete man probeweise eine „Woche der Wiener Urania“ in Graz. Die von Wien aus organisierten Vorträge und künstlerischen Darbietungen stießen auf ein breites Interesse innerhalb der Grazer Bevölkerung, und bereits im Herbst desselben Jahres begann man mit einem eigenen Programm.