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1945-1982: Die Österreichische Urania für Steiermark
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Bereits im Sommer 1945, wenige Monate nach dem Ende des Krieges, versuchte eine Gruppe junger Studenten – unter ihnen Peter Schall, Harald Kaufmann und Heribert Scheer – den universitätsnahen Volksbildungsgedanken neu zu beleben. Unter der Schirmherrschaft des Rektors der Technischen Universität, Bernhard Baule, und des Referenten beim Landesschulrat, Konrad Reinthaler, entstanden nacheinander das „Steirische Bildungswerk“ (1945) und das „Bildungswerk Steirischer Hochschulen“ (1946) mit dem Ziel, „Bildung durch Wissenschaft“ zu betreiben. Das Unterrichtsministerium in Wien wünschte jedoch eine Auslagerung der universitätsnahe Volksbildung von den Universitäten hin zu unabhängigen Einrichtungen und setzte sich stark für eine Wiederbelebung der Urania ein. So kam es 1947 durch die Zusammenlegung des „Bildungswerks Steirischer Hochschulen“ mit der „Österreichischen Kulturvereinigung“, deren Grazer Exponent der Künstler Wolfgang Schaukal, Sohn des Dichters Richard von Schaukal, war, zur Gründung der „Österreichische Urania für Steiermark“, die mit dem Nichtuntersagungsbescheid der Sicherheitsbehörde vom 14. Mai 1947 Rechtskraft erhielt. Diese „neue Urania“ konnte allerdings nicht die Rechtsnachfolge der „alten Urania“ antreten, da deren Akten und Mitgliederlisten den Krieg nicht überstanden hatten, und stand vor einem völligen Neubeginn.
Sie war von Anfang an fest in die steirische Universitätslandschaft eingebettet. Ihre Gründung fand unter der Patronanz der steirischen Rektoren statt und das Präsidentenamt wechselte zwischen Professoren der Karl-Franzens-Universität und der Technischen Universität. Bernhard Baule wurde ihr erster Präsident (1947-1969). Ihm folgten Johann Mokre (1969-1981), Kurt Freisitzer (1981-1985), Werner Hollomey (1985-1989), Gerald Schöpfer (1989-1991), Reinhard Haberfellner (1991-1995), Peter Schick (1995-1999) und Josef Wohinz (1999-2003). Das Amt des ersten Geschäftsführers und Direktors übernahm Wolfgang Schaukal selbst. Im Jahr 1950 hatte die Urania knapp 1.000 Mitglieder, 1960 waren es bereits über 5.000. In den 50er-Jahren bildete die Urania das Bindeglied zwischen Universitäten, Schulen und Öffentlichkeit. Sie widmete sich mit aller Kraft der Verbreitung von Wissenschaft und deren Auswirkungen auf die Menschen. Ihr eigentliches Anliegen lag dabei – wiederum in Abweichung von der ursprünglichen Urania-Idee – auf dem Gebiet der Kultur- und Gesellschaftswissenschaften. Bereits ihr Eröffnungsvortrag am 6. Juni 1947 im Stephaniensaal zeigte dies. Der Züricher Historiker Jean-Rudolph de Salis sprach zum Thema „Der Weg zum Frieden“. Die Vortragsreihen der folgenden Jahre hatten Fragestellungen wie „Was ist der Mensch“, „Neutralität“, „Österreich – Idee und Wirklichkeit“ oder „Moderne in der Kunst“ zum Inhalt. Daneben wurden volkstümliche Hochschulkurse, Maturakurse, Sprachkurse und praktische Kurse abgehalten. Zusätzlich zu diesen „monologen“ Formen führte man die „dialoge“ Form der Studien- und Arbeitskreise ein, in denen man sich in Gesprächen und Diskussionen einem Thema näherte. Im Vorwort der Urania-Mitteilungen vom September 1955 hatte Wolfgang Schaukal bemerkt: „Verantwortungsbewusste Erwachsenenbildung führt nicht, sondern begleitet. Sie fühlt sich nicht über dem Begleiteten, sondern mit ihm macht sie Gelegenheiten ausfindig, wo aus der unendlichen Vielfalt der kulturellen Erscheinungen und ihrer nicht nur dem Laien, sondern auch dem Spezialisten heute mehr und mehr entschwindenden Zusammenhänge Einblicke in die immer umstrittenen Probleme der Wissenschaft, Kunst, des Berufes und des sozialen Daseins gewonnen werden können.“ Der gleiche Gedanke lag auch den „Übungen zur Kunst“ zugrunde, in denen man sich über die Praxis den Fragestellungen der bildenden Kunst nähern wollte. Es ist charakteristisch für den intellektuellen Pioniergeist dieser Jahre, dass kein geringerer als Kurt Weber die frühen Mal- und Zeichenkurse der Urania leitete. Daneben war man sich der Bedeutung zeitgemäßer und innovativer Wissensvermittlung von Anfang an bewusst. Bereits 1948 wurde wieder eine Filmsektion mit der Vorführung der Dokumentation „Menschen unter Haien“ von Hans Hass eingeführt, 1968 ein Fernsehkreis, in den 80er-Jahren kam ein Sprachlabor zum Einsatz und ab 1999 waren Online-Seminare in Erprobung. Eine wichtige Vorreiterrolle spielte die Urania bei der geistigen und künstlerischen Bewusstseinserneuerung in Graz. Die weltoffene Politik des Landeskulturreferenten – und Gründungsmitglieds der Urania – Hanns Koren formte jenen immer wieder zitierten Freiraum des Geistes, in dem sich das wissenschaftliche und künstlerische Leben in Graz voll entfalten konnte. Dazu gehörten auch Diskussionsveranstaltungen wie die „Samstagsrunde“ mit dem Philosophen Georg Jánoschka über „Kunst und Philosophie“, die nicht nur innerhalb der intellektuellen Kreise für Aufmerksamkeit sorgten. Am Ende der 50er-Jahre fanden die Auseinandersetzungen um die Gegenwartskultur in breiter Öffentlichkeit statt. In drei von der Urania inszenierten „mock trials“ in Form englischer Gerichtsverfahren sollten der Film, die moderne Malerei und die mediale Berichterstattung verteidigt oder verurteilt werden. Die beiden ersten am 1. Dezember 1958 im Künstlerhaus und am 23. Februar 1959 im Stephaniensaal führten zu derartigen Kontroversen, dass die dritte nur mehr in abgeschwächter Form am 16. Juni 1959 über die Bühne ging. Aus dem Teilnehmerkreis der Urania-Diskussionsrunden – Gunter Falk, Barbara Frischmuth, Fritz Haller, Fritz Hartlauer, Alfred Kolleritsch, Günther Waldorf, Walter Ernst – kamen schließlich auch jene Persönlichkeiten, die 1959 gemeinsam mit Hanns Koren und Emil Breisach das Forum Stadtpark ins Leben riefen. In den Sechzigern begann die Urania damit, im Herbst ein „Kürprogramm“ zu philosophischen Fragenkomplexen durchzuführen: „Manipulation“ (1966), „Problem Mensch“ (1967), „Die Unruhe unserer Zeit“ (1968), „Umdenken“ (1969). Diese Tradition wurde von Walter Ernst in den Neunzigern wieder aufgegriffen und mit den Reihen „Denkspuren“ (1994), „Das große Finale. Bilanz eines ungeheuren Jahrhunderts“ (1999) und „An der Grenze des Undenkbaren“(2003) bis heute fortgeführt. Im Laufe der Jahre traten Vortragende aus der ganzen Welt bei der Urania auf. Referenten wie Theodor W. Adorno, Adolf Butenandt, Ralf Dahrendorf, Marion Gräfin Dönhoff, Günther Grass, Otto von Habsburg, Werner Heisenberg, Bruno Kreisky, György Ligéti, Hermann Lübbe, Margarete Mitscherlich oder Peter Sloterdijk haben das Bild der Urania-Vorträge mitgeprägt und dazu beigetragen, dass die Urania weiterhin ein „Pfahl im Fleisch der Zeit“ ist, wie es Wolfgang Schaukal im Vorwort der Urania-Mitteilungen vom April 1966 ausdrückte. Die große Zäsur erfolgte am Ende der 60er-Jahre. Der Rückzug von Bernhard Baule und Wolfgang Schaukal aus der Urania-Arbeit hinterließ eine spürbare Lücke, und Peter Schall übernahm 1972 die Aufgaben des Urania-Direktors in einer schwierigen Phase. Die Zeit der Großveranstaltungen war vorbei, der Schwerpunkt der Bildungsarbeit verlegte sich mehr und mehr auf Kurse und Seminare. Steigenden Kosten standen sinkende Förderungen und stagnierende Mitgliederzahlen gegenüber. Eine erste finanzielle Krise konnte 1971 durch Spendenaufrufe und Finanzhilfen abgewendet werden, doch ein Jahrzehnt später befand sich die Urania erneut in schweren finanziellen Nöten. Im „Jahr der Existenzkrise“ 1982 stand sie kurz vor der Auflösung. Nur durch gemeinsame Anstrengungen der Stadt Graz, des Landes Steiermark und spendenfreudiger Urania-Mitglieder gelang es in den folgenden Jahren, dies zu verhindern.
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