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1982 bis Heute: Die Urania "neu"
1986 und 1987 waren Jahre der Erneuerung. Eine großzügige finanzielle Ablöse der Räume am Opernring durch das Bankhaus Krentschker ermöglichte einen Innovationsschub, und ein Wechsel im Management, der durch den Ruhestand Peter Schalls notwendig wurde, brachte neue Ideen und neue Inhalte. Markus Jaroschka trat – vom Retzhof kommend – sein Amt mit großen Ambitionen an. Über sein Vorwort in den Urania-Mitteilungen vom September 1987 setzte er den Satz Theodor Fontanes: „Wer ein Ziel will, darf den Weg nicht scheuen“. Markus Jaroschka forcierte vor allem den kulturellen Sektor der Urania. Er richtete zwei Urania-Galerien ein, brachte die Zeitschrift „Lichtungen“ mit und verordnete den „Mitteilungen der Österreichischen Urania für Steiermark“ ein neues Layout. Das seither zur corporate identity gehörende Pfeil-Logo geht auf einen Entwurf Walter Langs zurück. Dieser wurde in der Folge von Horst Gerhard Haberl und Klaus Peinhaupt verändert und mit neuen Aussagen versehen. Unter der Präsidentschaft von Gerald Schöpfer (1989-1991) hatte sich die Urania wieder konsolidiert. Zu seinem Amtsantritt formulierte er im Vorwort der Urania-Mitteilungen vom Herbst 1989 einige „Gedanken zur Erwachsenenbildung“. Darin konstatiert er ein Ende der Pionierzeit und eine Hinwendung zu kontinuierlicher, statistisch erfassbarer Bildungsarbeit. Dann stellt er drei unbequeme Fragen: Ist es der Erwachsenenbildung gelungen, eine Massenbewegung zu werden? Was blieb vom revolutionären Schwung der Gründerzeit? Und wie sieht es mit der Bildungsfreundlichkeit unserer Gesellschaft aus? Die Urania-Arbeit folgenden Jahre sollte die Antworten darauf geben. Die inhaltliche und formale Gliederung des Urania-Bildungsangebots ist bereits klar erkennbar und der heutigen ähnlich: ein umfangreiches Vortrags- und Seminarprogramm mit Schwerpunkten in den Bereichen Philosophie, Kulturgeschichte und Naturwissenschaften, Arbeitskreise zu astronomischen, philosophischen und gesellschaftlichen Fragestellungen, Kurse in den Sparten EDV, B-Matura, Persönlichkeitsbildung und Kreativität, Sprachkurse und Bildungsreisen; dazu ein Kulturprogramm mit Malerei- und Fotoausstellungen, Musikabenden, Lesungen und der Literaturzeitschrift „Lichtungen“. Es war eine Zeit großer sozialer und politischer Umformungen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde eine neue Vision „Europa“ geboren und nach einer neuen Definition von „Mitteleuropa“ gesucht. Fragen des kulturellen Gedächtnisses, der kollektiver Identität oder des gesellschaftlichen Pluralismus rückten in das Zentrum des Interesses. Im Nahen Osten eskalierte die islamistische Gewalt und eine mögliche Klimakatastrophe wurde erstmals als Zukunftsoption wahrgenommen. Zu all dem bezog die Urania in Vorträgen, Diskussionen und anderen Veranstaltungen Stellung. Das Publikumsecho war groß, und der Mitgliederstand der Urania stieg in den Jahren 1989-1991 von 6.350 auf 8.150 an. Im April 1991 versuchte die Urania mit der Gründung der Zweigstelle Weiz im Rahmen des Kulturzentrums Weberhaus erneut ihre Bildungsarbeit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus auszudehnen, im Herbst 1991 folgten Zweigstellen in Eibiswald und Feldbach, 1993 in Mürzzuschlag. Schon früher hatte es Versuche gegeben, Außenstellen in den steirischen Bezirken zu gründen. 1955 entstand die Zweigstelle Knittelfeld und zwischen 1953 und 1960 florierte die Zweigstelle Leibnitz mit sechs Ortsstellen in Radkersburg, Mureck, Straß, Heimschuh/Silberbeg, Gleinstätten und Wildon. Ab Herbst 1957 diente ihr eine aufgelassene Zollhütte bei St Pongratzen als provisorisches Bildungshaus für Seminare zur politischen Bildung. Trotzdem blieb die Urania vom Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten her eine Einrichtung der Landeshauptstadt und ihrer Umgebung. Auch die Zweigstellen in Mürzzuschlag (bis 1994) Eibiswald (bis 1996) und Feldbach (bis 2000) hielten sich nur kurze Zeit, sodass heute nur in Knittelfeld, Weiz und Murau (seit 2007) Außenstellen existieren. 1994 feierte die Urania das Jubiläum ihres fünfundsiebzigjährigen Bestehens. Zu diesem Anlass übersiedelte sie von den traditionsreichen aber viel zu kleinen Räumen am Mehlplatz in das Palais Trauttmansdorff. Mit dem Wechsel von Markus Jaroschka ins Joanneum übernahm Hannes Galter 1995 die Urania-Leitung. Die folgenden Jahre waren von dem Versuch geprägt, die Urania fest in der steirischen Bildungslandschaft zu verankern und ihre wirtschaftliche Selbständigkeit vor dem Hintergrund rückläufiger Fördermittel zu stärken. Dazu dienten vor allem Partnerschaften mit den Grazer Universitäten, der Akademie Graz, dem Steirischen Landesmuseum Joanneum, dem Grazer Stadtmuseum, dem Steiermärkischen Landesarchiv, dem Kulturzentrum bei den Minoriten, der Österreichischen Orientgesellschaft und vielen anderen Einrichtungen. Auch die Durchführung von Veranstaltungen im Rahmen der „Science Week“ (2000-2002) und die Vorstellung der großen Religionsgemeinschaften im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres 2003 zielten in diese Richtung. Daneben gelang mit der Einrichtung der „digitalen Bildungsplattform Urania“ 1997 die Öffnung in Richtung Internet und damit verbunden die Erschließung neuer Interessentenkreise. Auf kulturellem Gebiet brachten die Durchführung kulturhistorischer Ausstellungen wie der Berberaustellung „Imazighen“ 1998 oder der Mongolenausstellung „МОНГОЛ“ 1999 sowie die Konzerte des seit 1999 existierenden Urania-Chors neue Impulse. Die Urania betreut heute ca. 12.000 Mitglieder.